Interview „Leute"

Seit wann sind Sie Mitglied der DBU?

Seit 1984/5. Ich bin zu der Buddhistischen Gemeinschaft in der DBU (BG) gestoßen, als die Mitgliedschaft für Einzelpersonen möglich wurde.

 

Meditieren Sie regelmäßig jeden Tag?

Ja, jeden Morgen. Vier oder fünfmal im Jahr klappt es allerdings nicht, dann hole ich es meistens später nach.

 

Haben Sie schon einmal für einige Zeit als Gastmönch gelebt?

Nein, noch nicht. Aber ich wünsche es mir.

 

Was würden Sie gerne S.H. den Dalai Lama fragen?

Warum er sich so für Uhren und anderen technischen Schnickschnack interessiert.

 

Sind Sie Vegetarier?

Nein, doch esse ich immer weniger Fleisch. Einen Krampf will ich aus der Frage aber in keinem Fall machen.

 

Wen würden Sie am liebsten einmal für die LB interviewen?

Den Buddha natürlich.

 

Was inspiriert Sie am meisten zur Dharmapraxis?

Dass sie funktioniert.

 

Welches sind Ihrer Meinung nach Ihre guten Eigenschaften?

Dass ich das Ganze sehen und Dinge verständlich darstellen kann.

 

An welchem Charakterzug müssen Sie noch arbeiten?

Ungeduld und ungenügende Konzentration, auch wenn das vielleicht nicht so aussieht.

 

Feiern Sie - z.B. der Familie zuliebe - noch Ostern und Weihnachten wie früher?

Natürlich. Ein Buddhist zu sein, soll das Leben doch einfacher machen und nicht komplizierter. Was können die anderen dafür, dass ich inzwischen eine andere Weltanschauung habe?

 

Sind Sie gespannt, wie Ihr nächstes Leben aussehen wird?

Gespannt nicht, eher ein bisschen besorgt. Überschätzen wir uns denn nicht alle ein wenig, was unsere guten Eigenschaften und unsere Fortschritte angeht?

 

Können Sie sich vorstellen als Tier wieder geboren zu werden? Welches wäre Ihnen am liebsten, und an welches mögen Sie gar nicht denken?

Eine Wiedergeburt als Pandabär kann ich mir vorstellen, weil der so harmlos ist (hoffentlich!). Leider hat er wohl keinen allzu großen Durchblick. Das Dasein als Insekt wäre für mich der reine Horror, denn es scheint so unendlich weit entfernt von Einsicht und Wissen.

 

Wo würden Sie am liebsten ein Meditationswochenende verbringen: am Meer - im Himalaya - in einem Iglu in der Antarktis?

Im Himalaya. Der Berge strahlen für mich viel an Ruhe und Kraft aus.

 

Was gab den Ausschlag für Sie, den buddhistischen Weg zu gehen?

Dass nichts anderes wirklich geholfen hat. Ich habe im Laufe meines Lebens schon viel probiert, ohne allzu großen Erfolg.

 

Gab es etwas, mit den Sie zu Beginn Ihres buddhistischen Lebens große Probleme hatten?

Mit der Vorstellung des Nicht-Ich. Das hat mich am Anfang schon erschreckt, war aber bei näherem Hinsehen wirkt der Gedanke immer befreiender.

 

Können Sie sich noch an Ihre Religionsnote in der Schule erinnern? Würden Sie sie uns verraten?

Ich glaube ich bekam eine Eins. Ich hatte meinem Religionslehrer allerdings gesagt, dass ich sie gerne hätte, weil ich evangelische Theologie studieren wollte.

 

Wie würden Sie reagieren, wenn man versuchen würde, Sie zu einer dreijährigen Meditationsklausur zu überreden?

Ich würde meine Frau fragen und meine Bank. Die eine würde vermutlich ja sagen, die andere nein.

 

Welches Musikinstrument würden Sie gerne spielen?

Geige. Man kann mit ihr die höchsten Töne spielen - völlig rein und klar.

 

Was denken Sie über folgendes chinesisches Sprichwort: Eine Tochter aufzuziehen, das ist so, als würde man anderer Leute Garten wässern!

Mich würde interessieren, wie der Betreffende aussieht, der sich das ausgedacht hat.

 

Welche Zukunft sehen Sie für den Buddhismus in Europa?

Er hat die Zukunft, die wir ihm geben. Allerdings scheint es mir, dass es viel mehr zu tun gibt, als wir selbst im Moment glauben.

 

Im Moment sind Sänger und Musikgruppen aus den 60er/70er Jahren wieder gefragt (z.B. Carlos Santana). Bei welcher Oldiband würden Sie gerne mitspielen?

Bei Cream oder bei Jimi Hendrix.

 

Man bietet Ihnen drei neue Jobs an. Für einen müssen Sie sich entscheiden: Landwirt - Politiker -Musicalstar.

Landwirt ist meine Antwort. Die Naturnähe würde mir gefallen.

 

Sie haben die Möglichkeit, eine Woche mit Astronauten im All zu verbringen. Was nehmen Sie auf jeden Fall mit?

Nichts Zusätzliches. Ich würde die Zeit nutzen, um alles möglichst genau zu beobachten, ohne abgelenkt zu sein.

 

Sie helfen bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung mit. Sie übernehmen: Go-Cart fahren mit Kindern - Kutschenfahrten mit älteren Menschen - eine einstündige Rede über ein langweiliges Thema?

Ich würde die Rede halten. Es wäre für mich eine Herausforderung, so über ein langweiliges Thema zu sprechen, dass trotzdem alle zuhören.

 

Hatten Sie bei einer Prüfung schon mal einen Spickzettel dabei?

Ich glaube nicht. Ich hätte zuviel Angst gehabt, erwischt zu werden.

 

Können Sie mir in etwa sagen, wie viele Bücher Sie besitzen?

Viele Hundert. Es werden aber immer weniger. Ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwann nur noch ein einziges ist.


Fragen von Marika Hoerig
Erschienen in Lotusblätter, Nr. 3/2000



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