Zum Hauptinhalt springen

Übersetzungen

Das Wasser ist am reinsten immer an der Quelle. Im buddhistischen Kontext sind das die Worte des Erwachten selbst. Sie liegen glücklicherweise in einem bemerkenswerten Umfang in deutscher Sprache vor, auch wenn viele Texte noch auf eine Übersetzung warten. Da jede Übertragung auch subjektive Momente enthält und das eigene Verständnis in sie eingeht, variieren sie bei den einzelnen Autoren zum Teil beträchtlich. Ich habe den Versuch gemacht, zu den wesentlichen Bereichen der buddhistischen Lehren eine kleine repräsentative Auswahl von Worten des Buddha zusammenzustellen und sie aus dem Pali zu übersetzen.


DEUTSCH

Dhammapada 1

Vom Geiste gehn die Dinge aus,
sind geist‘gen Stoffes, geistgeformt.
Wo man verderbten Geistes spricht,
und aus verderbtem Geiste wirkt,
da folgt zwangsläufig Leiden nach,
wie Wagenspur der Zugtierspur.

Dhammapada 2

Vom Geiste gehn die Dinge aus,
sind geist‘gen Stoffes, geistgeformt.
Wo man rechten Geistes spricht,
und aus geklärtem Geiste wirkt,
da folgt zwangsläufig Wohlsein nach,
dem untrennbaren Schatten gleich.

PALI

Dhammapada 1

Manopubbaṅgamā dhammā,
manoseṭṭhā manomayā,
manasā ce paduṭṭhena
bhāsati vā karoti vā
tato naṁ dukkham-anveti
cakkaṁ va vahato  padaṁ.


Dhammapada 2

Manopubbaṅgamā dhammā,
manoseṭṭhā manomayā,

manasā ce pasannena
bhāsati vā karoti vā,

tato naṁ sukham-anveti
chāyā va anapāyinī.

Devanangari

Dhammapada 1

स्वभावाच्या पुढे मन असते, मन (सर्व)श्रेष्ठ आहे,
विकृत मनाने बोलतो वा कृती करतो तेंव्हा
त्याच्या मागे दुक्ख असे येते, जसे (बैलाच्या) पावलांमागे चाक जाते.(१)
स्वभावाच्या पुढे मन असते, मन (सर्व)श्रेष्ठ आहे,
प्रसन्न मनाने बोलतो वा कृती करतो तेंव्हा
त्याच्या मागे सुख असे येते, जशी सावली. (२)

Dhammapada 2

मला अपमानिले, माझा शेवट केला, मला जिंकले,
जे असे वैर धरतात, त्यांचे वैर शमत नाही. (३)
मला अपमानिले, माझा शेवट केला, मला जिंकले
जे असे वैर न धरतात, त्यांचेच वैर शमते. (४)
वैराने वैर कधीही शमत नाही
ते अवैरानेच शमते, असा पुर्वापार सिद्धांत आहे. (५)

Sinhala

Dhammapada 1

(අරූප) ධර්මයෝ (කර්ම) සිත පෙරටුකොට ඇත්තාහ
සිත උතුම් කොට ඇත්තාහ. සිතින් උපදනා හෙයින් මනෝමයහ.
ඉදින් දූෂිතවූ සිතින් යුක්තව (චතුර්විධි වාග් දුශ්චරිතය)
බෙනේ නම් හෝ (ත්‍රිවිධ කාය දුශ්චරිතය) කෙරේ නම් හෝ ඒ
හේතුවෙන් (විපාක) දුක්ඛය ඒ පුද්ගලයා අනුව යන්නේය.
(කුමක් මෙන්ද යත්?) ගැල උසුලන ගොනුන්ගේ පිය අනුව
යන ගැල සක මෙනි.

Dhammapada 2

(අරූප) ධර්මයෝ කර්ම සිත පෙරටු කොට ඇත්තාහ. සිත
උතුම් කොට ඇත්තාහ. සිතින් උපදනා හෙයින් මනෝමයහ.
ඉදින් ප්‍රසන්නවූ සිතින් බෙනේ නම් හෝ කෙරේනම්
හෝ ඒ හේතුවෙන් (විපාක) සුඛය ඒ පුද්ගලයා අනුව
යන්නේය. (කුමක් මෙන්ද යත්?) ශරීරයෙන්
පහනොවන්නාවූ සෙවනැල්ල මෙනි.


    Der Geschmack des Dharma

    Stufen der Belehrung

    Wunsch und Wirklichkeit

    In der Regel hegen die Wesen den Wunsch, den Willen, die Absicht, dass die unerwünschten, unerfreulichen, unangenehmen Dinge aufhören und die erwünschten, erfreulichen, angenehmen zunehmen. Diesen Wesen jedoch, die eben das wünschen, mehren sich die unerwünschten, unerfreulichen, unangenehmen Dinge und die erwünschten, erfreulichen, angenehmen werden weniger.
    Und warum? (...)
    Da ist jemand ein unwissender Weltmensch, der keinen Blick für die Edlen hat, der Lehre der Edlen unkundig, über sie nicht unterrichtet; der keinen Blick für vorbildliche Menschen und ihre Lehre hat, ihrer unkundig und über sie nicht unterrichtet.
    Womit man sich beschäftigen soll, weiß er nicht, und auch nicht, was tunlichst zu unterlassen ist; er kennt die Dinge, denen man sich widmen sollte, so wenig wie die, die man besser bleiben lässt.
    (Majjhima Nikaya 46)

    Ich möchte leben und nicht sterben, ich wünsche mir Glück und habe etwas gegen Leid.
    (Samyutta Nikaya 55,7)

    Ausweg?

    Unterworfen bin ich Geborenwerden, Altern und Sterben, Kummer und Klage, Schmerz, Bedrückung und Verzweiflung. Dem Leiden bin ich unterworfen, dem Leiden ausgeliefert. Es müsste doch möglich sein, einen Ausweg aus dieser ganzen Leidensanhäufung zu finden!
    (Majjhima Nikaya 29)

    Einladung

    Willkommen sei mir ein verständiger, ehrlicher, vertrauenswürdiger Mensch von aufrechter Art. Ihn leite ich an und zeige ihm die Wahrheit. Wenn er - auf diese Weise belehrt - dem folgt, wird er nach nicht langer Zeit selbst sehen und selbst erfahren. Ganz sicher wird er sich so ganz von der Fessel befreien, nämlich von der Fessel des Nichtwissens.
    (Majjhima Nikaya 80)

    Diese Lehre ist nachvollziehbar, sie ist zeitlos, sie lädt zum Selbersehen ein, ist zum Ziel führend, einem Verständigen bei sich selbst erfahrbar.
    (Samyutta Nikaya 4,21)

    Vollkommen

    Er zeigt eine Lehre, die am Anfang segensreich ist, im Weiteren und am Ende; die sinn- und formvollendet ist. Er verkündet einen ganz und gar vollkommenen, reinen und lauteren Lebenswandel.
    (Digha Nikaya 2 u.a.)

    Das Gleichnis vom Weltmeer

    So wie der Ozean langsam tiefer wird, sich allmählich neigt, sich nach und nach senkt und nicht schlagartig abfällt -, genau so verhält es sich mit dieser Lehre und Praxis: Sie beinhaltet eine fortschreitende Übung, eine sich vertiefende Verwirklichung, eine abgestufte Vorgehensweise. Höchste Einsicht und durchdringendes Wissen werden nicht mit einemmal erreicht.
    (Anguttara Nikaya 8,19 bzw. Udana 5,5)

    Fünf Stufen der Belehrung

    Da sprach der Erhabene, stufenweise fortschreitend, zunächst vom Geben, dann von ethischem Verhalten sowie von himmlischem Dasein; dann machte er deutlich, wie unbefriedigend, mit mancherlei Nachteilen verbunden und armselig das sinnliche Genießen ist und wie segensreich, darüber hinauszuwachsen. Wenn der Erhabene bemerkte, dass jemand innerlich bereit, ausgeglichen, ohne innere Sperre, angeregt und von Vertrauen erfüllt war, da lehrte er das, was für die Erwachten das Eigentliche ausmacht: das Leiden, dessen Ursprung, dessen Beendigung und den Weg dahin.
    (Majjhima Nikaya 56, 91 u.a.)

    Übersetzung aus dem Pali von Alfred Weil

    Großzügigkeit

    Der Buddha über das Geben

    Drei Möglichkeiten

    Diese drei Weisen, verdienstvoll zu wirken, gibt es. Welche drei? Das segensreiche Wirken des Gebens, das segensreiche Wirken ethischen Verhaltens, das segensreiche Wirken geistiger Schulung.
    (Anguttara Nikaya 8,36)

    Beispielhaft

    Was heißt sich in Freigebigkeit bewähren? Da lebt ein Sohn aus guter Familie zuhause mit einem Herzen, das frei vom Makel des Geizes ist, er ist spendabel, zeigt eine offene Hand, freut sich am Geben, er ist großzügig und findet Gefallen am Teilen. Das heißt sich in Freigebigkeit bewähren.
    (Anguttara Nikaya 8,54)

    Wenn die Wesen wüssten

    Würden die Wesen die Frucht des Verteilens von Gaben so kennen, wie ich sie kenne, würden sie nichts essen, ohne etwas davon abgegeben zu haben, und der Makel des Geizes würde ihr Herz nicht ganz und gar gefangen nehmen. Hätten sie auch nur einen letzten Bissen, nur ein Mundvoll, sie äßen nicht, ohne etwas davon abgegeben zu haben, wenn sie denn Empfänger dafür fänden.

    Weil aber die Wesen die Frucht des Verteilens von Gaben nicht so kennen, wie ich sie kenne, essen sie, ohne etwas davon abgegeben zu haben, und der Makel des Geizes nimmt ihr Herz ganz und gar gefangen.
    (Itivuttaka 26)

    Sogar Spülwasser

    Selbst wenn jemand sein Spülwasser aus Topf und Teller in einem Tümpel oder einem Graben ausschüttet und dabei denkt: „Was immer an Lebewesen darin existiert, möge sich davon ernähren", so nenne ich das verdienstbringend; um wie viel mehr noch, wenn sich (eine Gabe) auf menschliche Wesen bezieht.
    (Anguttara Nikaya 3,58)

    Was und wie man gibt

    Acht Gaben eines guten Menschen gibt es. Welche acht?
    Reines gibt er, Vorzügliches gibt er, zu passender Gelegenheit gibt er, was zulässig ist, gibt er, mit Bedacht gibt er, regelmäßig gibt er, beim Geben beschwichtigt sich sein Herz, und nach dem Geben empfindet er Genugtuung.
    Diese acht Gaben eines guten Menschen gibt es.(Anguttara Nikaya 8,37)

    Das Beste

    Zwei Arten von Gaben gibt es. Welche zwei? Die materielle Gabe und die Gabe der Lehre. Diese zwei Arten von Gaben gibt es. Die vorzüglichste dieser beiden jedoch ist die Gabe der Lehre.
    (Anguttara Nikaya 2,142 = Itivuttaka 98)

    Die Gabe der Wahrheit übertrifft jede andere Gabe.(Dhammapada 354)

    Früchte des Gebens

    „Ist es denn möglich, Herr, ein sichtbares Resultat (eine sichtbare Frucht) des Gebens zu nennen?"
    Das ist möglich", antwortete der Erhabene. „Ein Wohltäter, ein großzügiger Spender ist vielen Menschen lieb und angenehm. Dass ein Wohltäter, ein großzügiger Spender vielen Menschen lieb und angenehm ist, das ist ein sichtbares Resultat des Gebens. Außerdem suchen anständige, gute Menschen den Umgang mit einem Wohltäter, einem großzügigen Spender. Über ihn verbreitet sich zudem ein guter Ruf. Und ferner: In welchen gesellschaftlichen Kreisen auch immer er sich bewegt, er bewegt sich in ihnen selbstsicher und unbefangen. Nach dem Zerfall des Körpers schließlich, nach dem Tode gelangt er in glückliche Umstände, zu himmlischem Dasein. Dass aber ein Wohltäter, ein großzügiger Spender nach dem Zerfall des Körpers, nach dem Tode in glückliche Umstände, zu himmlischem Dasein gelangt, das ist ein Resultat des Gebens, das (erst) eine künftige Existenz betrifft."
    (Anguttara Nikaya 5;34, gerafft)

    Nur durch Geben

    Aus 91 Weltzeitaltern, derer ich mich erinnere, weiß ich von keiner einzigen Familie, die da allein durch Darreichung von Almosen geschädigt wurde.
    Doch jene begüterten, überaus reichen, ausgesprochen vermögenden Familien mit beträchtlichem Besitz an Gold und Silber, von ansehnlichem Wohlstand und Habe, mit reichlich Geld und Getreide, alle sind es nur durch Geben, durch Ehrlichkeit und Selbstbeherrschung geworden.
    (Samyutta Nikaya 42,9)

    Gerettet
    So steht die Welt in Flammen:
    Durch Alter und durch Tod.
    Durch Geben magst du retten,
    Was gegeben wurde, ist in Sicherheit
    (Samyutta Nikaya 1,41)

    Gut

    Gut, Herr, ist tatsächlich das Geben.
    Was man der Gaben Würdigen gewährt in dieser Welt,
    Das trägt überreiche Frucht.
    Wie Samen, ausgestreut auf gutem Boden.
    Gut, Herr, ist tatsächlich das Geben,Selbst bei einer Kleinigkeit ist Geben gut.
    Und, wenn man im Vertrauen gibt.Geben und Kämpfen gleichen sich, heißt es.
    Auch wenn es wenige sind, besiegen sie doch viele.
    Wer aufrichtig gibt, und sei es auch nur wenig,
    Ist schon deshalb glücklich in der nächsten Welt.(Samyutta Nikaya 1,33; gekürzt)

    Übersetzung aus dem Pali von Alfred Weil

    Karma und Ethik

    Das Gesetz von Ursache und Wirkung

    Karma

    Durch Wirken wird die Welt,
    Durch Wirken werden Menschen,
    Am Wirken hängen alle Wesen,
    So wie ein laufend' Rad an seiner Achse.
    (Suttanipata 654)

    Saat und Ernte

    Was ist Rechte Ansicht, die (noch) von Einflüssen getrübt ist, die (noch) Weltliches hervorbringt, aber (dennoch) segensreich ist? „Aus guten und aus schlechten Handlungen reifen Früchte heran!"
    (Majjhima Nikaya 117)

    Absicht

    Die Absicht bezeichne ich als die Tat. Denn nachdem man eine Absicht gefasst hat, vollbringt man eine Tat im Handeln, Sprechen und Denken.
    (Anguttara Nikaya 6,63)

    Drei Gründe

    Drei Beweggründe für Handlungen gibt es. Welche drei? Gier ist ein Grund zu handeln. Hass ist ein Grund zu handeln. Verblendung ist ein Grund zu handeln ...
    Drei (weitere) Beweggründe für Handlungen gibt es. Welche drei? Gierlosigkeit ist ein Grund zu handeln. Hasslosigkeit ist ein Grund zu handeln. Unverblendung ist ein Grund zu handeln.
    (Anguttara Nikaya 3,34)

    Unmöglich und möglich

    Es ist eine völlige Unmöglichkeit, dass sich bei jemandem, der auf üble Weise handelt, spricht und denkt, erwünschte, erfreuliche, angenehme Ergebnisse einstellen. Wohl aber wird es so sein, dass sich bei jemandem, der auf üble Weise handelt, spricht und denkt, unerwünschte, unerfreuliche, unangenehme Ergebnisse einstellen.
    Es ist eine völlige Unmöglichkeit, dass sich bei jemandem, der auf rechte Weise handelt, spricht und denkt, unerwünschte, unerfreuliche, unangenehme Ergebnisse einstellen. Wohl aber wird es so sein, dass sich bei jemandem, der auf rechte Weise handelt, spricht und denkt, erwünschte, erfreuliche, angenehme Ergebnisse einstellen.
    (Anguttara Nikaya 1,25)

    Vier Weisen des Wirkens
    Diese vier Weisen des Wirkens lehre ich, nachdem ich sie selbst erkannt und durchschaut habe. Welche vier?
    Es gibt dunkles Wirken mit dunklen Früchten. Es gibt helles Wirken mit hellen Früchten. Es gibt Wirken, das teils dunkel und teils hell ist und das teils dunkle und teils helle Früchte reifen lässt. Und es gibt Wirken, das weder dunkel noch hell ist und das weder dunkle noch helle Früchte reifen lässt.
    (Anguttara Nikaya 4,232)

    Früher oder später

    Und was ist das Ergebnis des Wirkens? Ich sage, dass sich das Ergebnis des Wirkens auf dreifache Weise zeigt: schon in diesem Leben oder im nächsten oder in einem der folgenden.
    (Anguttara Nikaya 6,63)

    Nach ihrem Tun und Lassen (1)

    „Was ist denn nur der Grund, was die Ursache dafür, dass bei den Menschen, den eben unter Menschen Geborenen, Erbärmlichkeit und Vorzüglichkeit zu finden sind?
    Denn man findet ja Menschen von langer und von kurzer Lebensdauer, schwer kranke und gesunde, hässlich und schön anzuschauende, einflusslose und mächtige, besitzlose und vermögende, solche von niedriger und von hoher Herkunft, unverständige und weise." (...)
    „Ihren Taten gehören die Wesen, sie sind Erben ihrer Taten, haben ihren Ursprung in ihnen, sind mit ihnen verbunden, sie haben ihre Taten als Rettung. Ihre Taten scheiden die Wesen, und zwar nach Erbärmlichkeit und Vorzüglichkeit."
    (Majjhima Nikaya 135)

    Nach ihrem Tun und Lassen (2)

    Da tötet jemand, ist grausam, blutgierig, dem Töten und Morden hingegeben, ohne Mitempfinden zu den Wesen. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens kurzlebig sein. Da hat jemand das Töten aufgegeben, hat das Töten ganz und gar verworfen, ohne Stock und ohne Waffe, voller Zurückhaltung und gütigen Herzens ist er auf das Wohlergehen aller bedacht. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens langlebig sein.
    Da ist jemand von gewalttätiger Natur, verletzt andere mit der Hand, mit einem Stein, mit einem Stock oder mit einer Waffe. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens kränklich und leidend sein. Da ist jemand nicht gewalttätig, verletzt andere nicht, weder mit der Hand, noch mit einem Stein, noch mit einem Stock oder mit einer Waffe. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens gesund und wohlauf sein.
    Da ist jemand jähzornig und reizbar. Wegen jeder Kleinigkeit ist er übergelaunt, wird wütend, widerspricht, braust auf, legt Zorn, Widerwille und Unzufriedenheit an den Tag. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens hässlich sein. Da ist jemand nicht jähzornig und nicht reizbar. Auch wenn man ihm einiges zumutet, ist er nicht übergelaunt, wird nicht wütend, widerspricht nicht, braust nicht auf, legt weder Zorn, noch Widerwille, noch Unzufriedenheit an den Tag. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens von angenehmem Äußeren sein.
    Da ist jemand von neidischer Wesensart. Er gönnt einem anderen nicht, wenn er verehrt, geachtet, geschätzt und angebetet wird. Er ist eifersüchtig, missgünstig und neidisch. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens ohne Einfluss bleiben. Da ist jemand nicht neidisch. Er gönnt einem anderen, wenn er verehrt, geachtet, geschätzt und angebetet wird. Er ist weder eifersüchtig, noch missgünstig, noch neidisch. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens einflussreich sein.
    Da gibt jemand einem Asketen oder Priester weder zu essen noch zu trinken, keine Kleidung und keine Transportmöglichkeit, weder Schmuck, noch Duftstoffe, noch Salben, keine Schlafgelegenheit, keine Unterkunft und keine Beleuchtung. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens ärmlich sein. Da gibt jemand einem Asketen oder Priester zu essen und zu trinken, Kleidung und Transportmöglichkeit, Schmuck, Duftstoffe und Salben, Schlafgelegenheit, Unterkunft und Beleuchtung. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens wohlhabend sein.
    Da ist jemand unnachgiebig und stolz. Wer zu grüßen ist, den grüßt er nicht; vor dem man sich respektvoll erhebt, vor dem erhebt er sich nicht; wem ein Platz anzubieten ist, dem bietet er keinen Platz an; wenn jemand der Vortritt gebührt, räumt er ihn nicht ein; einen Verehrungswürdigen verehrt er nicht, einen zu Achtenden achtet er nicht, einen Schätzenswerten und Anbetungswürdigen schätzt er nicht und er betet ihn nicht an. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens niedrig gestellt sein. Da ist jemand zuvorkommen und bescheiden. Wer zu grüßen ist, den grüßt er; vor dem man sich respektvoll erhebt, vor dem erhebt er sich; wem ein Platz anzubieten ist, dem bietet er einen Platz an; wenn jemand der Vortritt gebührt, räumt er ihn ein; einen Verehrungswürdigen verehrt er, einen zu Achtenden achtet er, einen Schätzenswerten und Anbetungswürdigen schätzt er und er betet ihn an. Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens hoch gestellt sein.
    Da besucht jemand keinen Asketen oder Priester, um ihn zu fragen: „Was, Herr, ist heilsam? Was unheilsam? Was ist tadelnswert? Was nicht zu beanstanden? Was ist zu verfolgen? Was nicht zu verfolgen? Was gereicht mir, wenn ich es tue, für lange Zeit zum Nachteil und zum Unglück? Was aber gereicht mir, wenn ich es tue, für lange Zeit zum Vorteil und zum Segen?" Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens von beschränkter Einsicht sein. Da sucht jemand einen Asketen oder Priester auf, um ihn zu fragen: „Was, Herr, ist heilsam? Was unheilsam? Was ist tadelnswert? Was nicht zu beanstanden? Was ist zu verfolgen? Was nicht zu verfolgen? Was gereicht mir, wenn ich es tue, für lange Zeit zum Nachteil und zum Unglück? Was aber gereicht mir, wenn ich es tue, für lange Zeit zum Vorteil und zum Segen?" Wenn der als Mensch wiedergeboren wird, wird er, wo auch immer er wieder erscheint, aufgrund dieses Verhaltens weise sein.
    (Majjhima Nikaya 135, gekürzt)

    Die Reife abwarten

    Auch ein schlechter Mensch erlebt Erfreuliches,
    solange das Böse nicht zur Reife kommt.
    Ist das Böse jedoch gereift,
    Dann widerfährt ihm Schlimmes.

    Auch einem gutem Menschen widerfährt Schlimmes,
    solange das Gute nicht zur Reife kommt.
    Ist das Gute jedoch gereift,
    Dann begegnet ihm Erfreuliches.
    (Dhammapada 119/120)

    Kein Versteck

    Weder im Himmel noch inmitten der See
    noch in den Schluchten der Berge
    findet sich in dieser Welt ein Ort,
    an dem man seiner bösen Tat entfliehen könnte.(Dhammapada 127)

    Nicht zu begreifen

    Vier Dinge gibt es, die (mit dem normalen Verstand) nicht zu begreifen sind und über die man nicht (in allen Verästelungen) nachdenken sollte. Tut man es doch, kann man dem Wahnsinn oder geistiger Verwirrung verfallen. Welche vier?
    Die Sphäre eines Buddha, die Sphäre der meditativen Versenkung, die karmischen Folgen und das Wesen der Welt. Sie sind (mit dem normalen Verstand) nicht zu begreifen und über sie sollte man nicht (in allen Verästelungen) nachdenken. Tut man es doch, kann man dem Wahnsinn oder geistiger Verwirrung verfallen. Diese vier Dinge gibt es ...
    (Anguttara Nikaya 4,77)

    Kein Richter sein

    Schwingt euch nicht zum Richter über die Menschen auf, maßt euch kein Urteil über die Menschen an. Man richtet sich zugrunde, wenn man die Menschen aburteilt. Ich hingegen vermag wohl, die Menschen zu beurteilen, oder jemand, der mir ähnlich ist.
    (Anguttara Nikaya 6,44)

    Tun und Nichttun

    „Was lehrt eigentlich der Herr Gotama, was vertritt er?"
    „Das Tun lehre ich, Brahmane, und das Nichttun."
    „Auf welche Weise lehrt denn der Herr Gotama das Tun und das Nichttun?"
    „Das Nichttun lehre ich. Ich lehre nämlich, ungutes Handeln, Reden und Denken sowie die vielerlei üblen und unheilsamen Dinge zu lassen. Und das Tun lehre ich. Ich lehre nämlich, gutes Handel, Reden und Denken sowie die vielerlei heilsamen Dinge zu vollbringen. Auf diese Weise, Brahmane, lehre ich das Tun und das Nichttun."
    (Anguttara Nikaya 2,35)

    Fünf Übungsregeln

    Ich nehme die Übung auf mich, das Töten lebender Wesen zu unterlassen. Ich nehme die Übung auf mich, mir nichts Unrechtmäßiges anzueignen. Ich nehme die Übung auf mich, von sexuellem Fehlverhalten Abstand zu nehmen. Ich nehme die Übung auf mich, auf lügnerische Worte zu verzichten. Ich nehme die Übung auf mich, mir nicht mit Alkohol und (anderen) berauschenden Mitteln die Klarheit des Bewusstseins zu nehmen.
    (Khuddaka Nikaya)

    Nicht Töten

    Da hat jemand das Töten aufgegeben, des Tötens von Wesen enthält er sich. Ohne Stock, ohne Waffe, voller Einfühlungsvermögen und Anteilnahme ist er um das Wohlergehen aller Lebewesen besorgt. Das ist für ihn einwandfreies Verhalten.
    (Digha Nikaya 2)

    Fünf Gaben

    Fünf Gaben, große Gaben gibt es. Welche fünf? Da hat der ernsthafte Anhänger das Töten aufgegeben, er enthält sich ganz des Tötens. Indem er sich des Tötens enthält, gewährt er unnennbar vielen Wesen die Freiheit von Furcht, von Feindseligkeit und Bedrängnis. Und indem er unnennbar vielen Wesen Freiheit von Furcht, von Feindseligkeit und Bedrängnis gewährt, wird ihm selbst unnennbare Freiheit von Furcht, von Feindseligkeit und Bedrängnis zuteil.
    Darüber hinaus hat der ernsthafte Anhänger das Stehlen aufgegeben, er enthält sich ganz des Stehlens, er hat sexuelles Fehlverhalten aufgegeben, hat Lüge sowie den Genuss von Alkoholika und anderer bewusstseinstrübender Mittel aufgegeben, all dessen enthält er sich. Indem er sich all dessen enthält, gewährt er unnennbar vielen Wesen die Freiheit von Furcht, von Feindseligkeit und Bedrängnis. Und indem er unnennbar vielen Wesen die Freiheit von Furcht, von Feindseligkeit und Bedrängnis gewährt, wird ihm selbst unnennbare Freiheit von Furcht, von Feindseligkeit und Bedrängnis zuteil. Das sind die fünf Gaben, große Gaben.
    (Anguttara Nikaya 8,39)

    Wir nicht

    Andere mögen jemanden schädigen oder verletzen, wir wollen hier dem festen Vorsatz folgen, niemanden zu schädigen oder zu verletzen.
    Andere mögen töten, wir wollen uns des Tötens enthalten. Andere mögen Nicht-Gegebenes an sich bringen, wir wollen uns des Nehmens von Nicht-Gegebenem enthalten. Andere mögen sexuelles Fehlverhalten begehen, wir wollen rein leben. Andere mögen lügen, wir wollen uns der Lüge enthalten. Andere mögen Zwietracht säen, wir wollen uns entzweiender Worte enthalten. Andere mögen harte Rede führen, wir wollen uns harter Rede enthalten. Andere mögen oberflächlich daherreden, wir wollen uns des oberflächlichen Geredes enthalten. Andere mögen habgierig sein, wir wollen nicht habgierig sein. Andere mögen böswillig sein, wir wollen guten Willens sein. Andere mögen falsche Ansichten hegen, wir wollen richtige Ansichten hegen.
    (Majjhima Nikaya 8)

    Selbst-Test

    Ich möchte am Leben bleiben und nicht sterben, ich suche Wohl und meide Schmerz. Wenn mich nun jemand, der ich doch am Leben bleiben und nicht sterben möchte, der ich Wohl suche und Schmerz meide, des Lebens berauben würde, so wäre mir das (höchst) unerwünscht und unangenehm. Und wenn ich nun einen anderen, der ebenfalls am Leben bleiben und nicht sterben möchte, der Wohl sucht und Schmerz meidet, des Lebens berauben würde, dann wäre das jenem (höchst) unerwünscht und unangenehm. Wenn mir eine Sache unerwünscht und unangenehm ist, dann ist sie es dem anderen genauso. Wenn mir eine Sache unerwünscht und unangenehm ist, wie könnte ich sie dann einem anderen aufbürden.
    Wer sich das eindringlich vor Augen führt, lässt selbst vom Töten ab, bringt andere dazu, ebenfalls das Töten aufzugeben, lobt das Abstehen vom Töten.
    (Samyutta Nikaya 55,7)

    Übersetzung aus dem Pali von Alfred Weil

    Fortexistenz - Jenseits - Himmelswelten

    Buddhismus und Transzendenz

    Erinnerung

    Ich erinnerte mich an zahllose frühere Leben: an eine Geburt, an zwei Geburten, an drei, vier, fünf, zehn, an zwanzig Geburten, an dreißig, vierzig, fünfzig, hundert, an tausend, an hunderttausend Geburten, an manche Perioden der Weltentfaltung, an manche Perioden der Weltzerstörung, an manche Perioden der Weltentfaltung und Weltzerstörung. Dort lebte ich, hatte jenen Namen, entstammte jener Familie, hatte jene Stellung, ernährte mich so und so, empfand solches Wohl und Wehe, erreichte ein solches Lebensalter. Vor dort abgeschieden, erschien ich anderswo wieder. Hier hatte ich diesen Namen, entstammte dieser Familie, hatte diese Stellung, ernährte mich so und so, empfand solches Wohl und Wehe, erreichte ein solches Lebensalter.
    (Majjhima Nikaya 4)

    Verschwinden und Wiedererscheinen

    Ich sah mit dem himmlischen Auge, dem reinen, übermenschlichen, die Wesen sterben und wiedergeboren werden; gewöhnliche und herausragende, schöne und hässliche, glückliche und unglückliche. Ich erkannte, wie die Wesen ihrem Wirken entsprechend weiterwandern.
    (Majjhima Nikaya 4)

    Tatsächlich vollzieht sich die Wiedergeburt eines Wesens so: Nach dem, was man tut, wird man wiedergeboren, und Entsprechendes begegnet dem Wiedergeborenen.
    (Anguttara Nikaya 10,205)

    Wie glimmendes Feuer

    Nicht wie Milch, die alsbald schon sauer wird,
    Folgt dem Toren seine schlimme Tat,
    Sondern glimmend wie Feuer,
    Das von Asche überdeckt ist.
    (Dhammapada 71)

    Jetzt, später, irgendwann

    Ich sage, dass sich das Ergebnis des Wirkens auf dreierlei Weise zeigt: noch in diesem Leben, im nächsten oder in irgendeinem der folgenden.
    (Anguttara Nikaya 6,63)

    Es gehören drei dazu

    Wenn drei sich vereinigen, kommt es zur Empfängnis. Da sind Mutter und Vater zusammen, doch die Mutter hat nicht ihre fruchtbare Zeit und das zur Wiedergeburt strebende Wesen ist nicht bereit: folglich kommt es nicht zur Empfängnis. Da sind Mutter und Vater zusammen, die Mutter hat ihre fruchtbare Zeit, doch das zur Wiedergeburt strebende Wesen ist nicht bereit: folglich kommt es nicht zur Empfängnis. Wenn jedoch Mutter und Vater zusammen sind, die Mutter ihre fruchtbare Zeit hat und das zur Wiedergeburt strebende Wesen bereit ist, dann kommt es zur Empfängnis.
    (Majjhima Nikaya 38)

    Ohne Anfang

    Unvorstellbar ist der Beginn des Daseinskreislaufes, unerkennbar ist ein erster Anfang bei den von Unwissenheit gehemmten und von Begehren gefesselten Wesen, die von Existenz zu Existenz wandern und umherirren.
    (Samyutta Nikaya 15)

    Das Felsmassiv

    „Wie lange, Herr, dauert wohl ein Weltzeitalter?"
    „Lange dauert ein Weltzeitalter. Nicht leicht ist es zu bemessen: So viele Jahre umfasst es oder so viele hundert Jahre oder so viele tausend Jahre oder so viele hunderttausend Jahre."
    „Kann man es, Herr, in einem Gleichnis ausdrücken?"
    „Das ist möglich", sprach der Erhabene. „Angenommen, das wäre ein mächtiges Felsmassiv, eine Meile in der Länge, eine Meile in der Breite und eine Meile in der Höhe, ohne Risse und Spalten, durch und durch solide. Das würde nun ein Mann nach jeweils einhundert Jahren einmal mit einem Tuch aus feinstem Stoff aus Benares streifen - schneller wäre auf diese Weise jenes mächtige Felsmassiv verschwunden und vergangen als ein Weltzeitalter. So lange dauert ein Weltzeitalter. Und von diesen langen Weltzeitaltern wurden (von den Wesen) schon viele, schon viele hundert, viele tausend, viele hunderttausend durchwandert."
    (Samyutta Nikaya 15,5)

    Fünf Daseinsbereiche

    Fünf Daseinsbereiche gibt es. Welche fünf? Die Leidenswelt, das Tierreich, die Welt der unglücklichen Geister, die Menschen und die göttlichen Wesen.
    Die Leidenswelt kenne ich und den zur Leidenswelt führenden Weg, das zur Leidenswelt führende Verhalten, das den, der sich darauf einlässt, nach dem Zerfall des Körpers, nach dem Tod in niederem Dasein wiedererscheinen lässt, in elender Existenz, in die Hölle.
    Das Tierreich kenne ich, die Welt der unglücklichen Geistwesen, das Menschentum und die Götterwelt kenne ich sowie den Weg dorthin, das dahin führende Verhalten.
    (Majjhima Nikaya 12; gerafft)

    Götter

    „Wie ist das, Herr Gotama, gibt es Götter?"
    „Aus gutem Grund, Bharadvaja, bin ich mir dessen sicher: Es gibt Götter."
    (Majjhima Nikaya 100)

    Himmlisches Glück

    Selbst königliche Herrschaft unter Menschen ist armselig im Vergleich zu himmlischem Glück.
    (Anguttara Nikaya 3,71)

    Leidenswelten und Himmelswelten

    Die so genannten Leidenswelten der sechs Berührungsbereiche habe ich gesehen. Was auch immer man dort mit dem Auge an Formen erblickt, mit dem Ohr an Tönen hört, mit der Nase an Düften riecht, mit der Zunge an Schmeckbarem kostet, mit dem Körper an Gegenständen berührt, mit dem Geist an Dingen erkennt: Man erlebt nur Unerwünschtes, nichts Erwünschtes; man erlebt nur Unangenehmes, nichts Angenehmes; man erlebt nur Unerfreuliches, nichts Erfreuliches.
    Die so genannten Himmelswelten der sechs Berührungsbereiche habe ich gesehen. Was auch immer man dort mit dem Auge an Formen erblickt, mit dem Ohr an Tönen hört, mit der Nase an Düften riecht, mit der Zunge an Schmeckbarem kostet, mit dem Körper an Gegenständen berührt, mit dem Geist an Dingen erkennt: Man erlebt nur Erwünschtes, nichts Unerwünschtes; man erlebt nur Angenehmes, nichts Unangenehmes; man erlebt nur Erfreuliches, nichts Unerfreuliches.
    (Samyutta Nikaya 35,135)

    Ausweg

    Unterworfen bin ich Geborenwerden, Altern und Sterben, Kummer und Klage, Schmerz, Bedrückung und Verzweiflung. Dem Leiden bin ich unterworfen, dem Leiden ausgeliefert. Es müsste doch möglich sein, einen Ausweg aus dieser ganzen Leidensanhäufung zu finden.
    (Majjhima Nikaya 29)

    Übersetzung aus dem Pali von Alfred Weil

    Jenseits der Welt der Sinne

    Meditation - Stille - Herzensfrieden

     Nur ein kurzer Genuss

    Als vorübergehend hat der Erhabene die sinnlichen Vergnügungen charakterisiert, als mit vielen Leiden und vielen Mühen behaftet; das Nachteilige überwiegt bei ihnen.
    (Samyutta Nikaya 4,21)

    Freud und Leid

    Himmelswesen wie Menschen erfreuen sich an Formen, Tönen, Düften, an Schmeckbarem und Tastbarem und sie finden Vergnügen an ihnen. Sie erfreuen sich an Vorstellungen, geben sich ihnen hin und finden Vergnügen an ihnen. Wenn sich die Dinge jedoch wandeln, verschwinden, sich auflösen, dann sehen sich Himmelswesen wie Menschen im Leiden.
    (Samyutta Nikaya 35,136, gerafft)

    Wie kahle Knochen

    Mit kahlen Knochen hat der Erhabene die Sinnendinge verglichen. Mit vielen Leiden und Mühen sind sie behaftet, das Nachteilige überwiegt bei ihnen. Mit einem Fleischfetzen, mit einer Strohfackel, mit einer Grube voller glühender Kohlen, mit einem Traum, mit einem Darlehen und mit Baumfrüchten hat der Erhabene die Sinnendinge verglichen. Mit vielen Leiden und Mühen sind sie behaftet, das Nachteilige überwiegt bei ihnen
    (Majjhima Nikaya 54, gerafft)

    Zwei Extreme und der Mittlere Weg

    Diesen beiden Extremen soll einer, der in die Hauslosigkeit gegangen ist, nicht folgen. Welchen beiden?
    Der niedrigen, gewöhnlichen, unedlen und zwecklosen Allerweltspraxis, sich bei den Sinnendingen Lust und Vergnügen hinzugeben, sowie schmerzvoller, unedler und zweckloser Selbstquälerei.
    Diese beiden Extreme hat der Vollendete vermieden und den Mittleren Weg entdeckt, der Erkenntnis und Wissen mit sich bringt und zur Beruhigung des Gemütes, zu intuitiver Einsicht, zum Erwachen, zum Nirvana führt.
    (Samyutta Nikaya 56,11)

    Lobenswert

    Da sucht jemand, der die Sinnesfreuden genießt, auf rechte Weise und ohne Anwendung von Gewalt Wohlstand. Hat er auf rechte Weise und ohne Anwendung von Gewalt Wohlstand gesucht, erfreut er sich an ihm und macht es sich schön. Er gibt davon ab und tut Gutes damit. Er genießt ihn, ohne an ihm zu hängen, in ihm aufzugehen oder ihn zu missbrauchen. Dabei sieht er das Ungenügende an ihm und weiß, wie man von ihm unabhängig werden kann.
    Wer die Sinnesfreuden so genießt, ist aus vier Gründen zu loben: weil er auf rechte Weise und ohne Anwendung von Gewalt Wohlstand sucht; weil er sich an ihm erfreut und es sich schön macht; weil er davon abgibt und Gutes damit tut; weil er ihn genießt, ohne an ihm zu hängen, in ihm aufzugehen oder ihn zu missbrauchen und dabei das Ungenügende an ihm sieht und weiß, wie man von ihm unabhängig werden kann.
    (Samyutta Nikaya 42,12; gerafft)

    Das Bessere ist des Guten Feind

    Wenig Genuss bieten die Sinnendinge, mit vielen Unannehmlichkeiten und Mühen sind sie verbunden, das Nachteilige überwiegt bei ihnen.
    Auch wenn ein ernsthafter Anhänger das so der Wirklichkeit gemäß mit vollkommener Weisheit richtig sieht, er aber außer den Sinnesfreuden und den unheilsamen Dingen kein anderes, friedvolleres Glücksgefühl und Wohlempfinden erfährt, muss er solange noch auf die Sinnendinge hereinfallen.
    Aber von dem Moment an, wo ein ernsthafter Anhänger das so der Wirklichkeit gemäß mit vollkommener Weisheit richtig sieht und er außer den Sinnesfreuden und den unheilsamen Dingen ein anderes, friedvolleres Glücksgefühl und Wohlempfinden erfährt, fällt er nicht länger auf die Sinnendinge herein.
    (Majjhima Nikaya 14)

    Stufen zur Befreiung

    Ein anständiger Mensch mit moralisch einwandfreiem Verhalten braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass bei ihm Reuelosigkeit aufkommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass bei einem anständigen Menschen mit moralisch einwandfreiem Verhalten Reuelosigkeit aufkommt.
    Ein reueloser Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass bei ihm Freude aufkommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass bei einem reuelosen Menschen Freude aufkommt.
    Ein freudiger Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass bei ihm Glück aufkommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass bei einem freudigen Menschen Glück aufkommt.
    Ein glücklicher Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass sein Körper zur Ruhe kommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass einem glücklichen Menschen der Körper zur Ruhe kommt.
    Ein körperlich Besänftigter braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er Seligkeit empfindet. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein körperlich Besänftigter Seligkeit empfindet.
    Ein Seligkeit Empfindender braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass sich sein Herz sammelt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass sich einem Seligkeit Empfindenden das Herz sammelt.
    Ein innerlich Gesammelter braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er die Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt und durchschaut. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein innerlich Gesammelter die Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt und durchschaut.
    Jemand, der die Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt und durchschaut, braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er sich von ihnen abwendet. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass jemand, der die Dinge der Wirklichkeit entsprechend erkennt und durchschaut, sich von ihnen abwendet.
    Ein Abgewandter braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er Ernüchterung erfährt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein Abgewandter Ernüchterung erfährt.
    Ein nüchterner Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er Befreiung erlangt und um sie weiß. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein nüchterner Mensch Befreiung erlangt und um sie weiß.
    (Anguttara Nikaya 11,2)

    Zweierlei Wohl

    Was da aufgrund jener fünf Arten von Sinneslust an Wohl und Freude entsteht, das nennt man Sinnenwohl, kotiges Wohl, gewöhnliches Wohl, unedles Wohl. Ihm soll man nicht folgen, es nicht kultivieren, sich ihm nicht hingeben. Zu fürchten hat man ein solches Wohl, sage ich.
    Da weilt ein Mönch fern von sinnlichem Verlangen, fern von den unheilsamen Dingen in der ersten Vertiefung, die mit Denken und Überlegen verbunden, aus der Abgeschiedenheit geboren und von Entzücken und Freude getragen ist. Da weilt ein Mönch ... in der zweiten Vertiefung ... in der dritten Vertiefung ... in der vierten Vertiefung ... Das nennt man Wohl des Loslassens, Wohl der Zurückgezogenheit, Wohl der Ruhe, Wohl des Erwachens. Ihm soll man folgen, es kultivieren, sich ihm widmen. Nicht zu fürchten hat man ein solches Wohl, sage ich.
    (Majjhima Nikaya 66)

    Übersetzung aus dem Pali von Alfred Weil

    Die Vier Edlen Wahrheiten

    Unwissenheit

    Weil vier heilende Wahrheiten nicht verstanden, nicht durchdrungen wurden, wurden jene langen Lebenszyklen durchlaufen und durchwandert, von mir wie von euch. Welche vier? Weil die heilende Wahrheit vom Leiden nicht verstanden, nicht durchdrungen wurde, wurden jene langen Lebenszyklen durchlaufen und durchwandert, von mir wie von euch. Weil die heilende Wahrheit von der Entstehung des Leidens, die von der Beendigung des Leidens und die von dem zur Beendigung des Leidens führenden Weg nicht verstanden, nicht durchdrungen wurde, wurden jene langen Lebenszyklen durchlaufen und durchwandert, von mir wie von euch.
    (Digha Nikaya 16)

    Erste Wahrheit

    Die erste heilende Wahrheit

    Was ist die heilende Wahrheit vom Leiden? Geborenwerden ist Leiden; Altern ist Leiden; Kranksein ist Leiden; Sterben ist Leiden; Kummer und Klage, Schmerz, Bedrückung und Verzweiflung sind Leiden; mit Unerfreulichem konfrontiert und von Erfreulichem getrennt zu sein, ist Leiden; was man sich wünscht, nicht zu bekommen, auch das ist Leiden; mit einem Wort: die fünf Gruppen des Ergreifens sind Leiden.
    (Digha Nikaya 22)

    Fünf Gruppen des Ergreifens

    Welches sind, kurz ausgedrückt, die fünf leidvollen Gruppen des Ergreifens? Es sind dies die Gruppe des Ergreifens Form, die Gruppe des Ergreifens Gefühl, die Gruppe des Ergreifens Wahrnehmung, die Gruppe des Ergreifens Aktivität und die Gruppe des Ergreifens Bewusstwerden. Diese werden, kurz ausgedrückt, die fünf leidvollen Gruppen des Ergreifens genannt.
    (Digha Nikaya 22)

    Gegebenheiten

    Ob da Vollendete in der Welt erscheinen oder ob da Vollendete nicht der Welt erscheinen, eben dies ist eine feststehende Tatsache und unumstößliche Gewissheit: Alle Phänomene sind wandelbar, alle Phänomene sind unzulänglich, alle Dinge sind unpersönlich.
    (Anguttara Nikaya 3,134)

    Vergänglich - leidvoll - nicht mein Selbst

    „Was glaubt ihr denn, ist der Körper unvergänglich oder vergänglich?" „Vergänglich, Herr." „Was aber vergänglich ist, ist das leidvoll oder freudvoll?" „Leidvoll, Herr." „Was aber vergänglich ist, leidvoll, dem Wandel unterworfen, kann man das zu Recht so betrachten: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst?" „Das sicher nicht, Herr." „Was glaubt ihr denn, sind Gefühl, Wahrnehmung, Aktivität und Bewusstwerden unvergänglich oder vergänglich? „Vergänglich, Herr." „Was aber vergänglich ist, ist das leidvoll oder freudvoll?" „Leidvoll, Herr." „Was aber vergänglich ist, leidvoll, dem Wandel unterworfen, kann man das zu Recht so betrachten: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst?" „Das sicher nicht, Herr."
    (Majjhima Nikaya 22)

    Entstehen - Vergehen - Wandlung

    Diese drei charakteristischen Eigenschaften zeigt das Gestaltete. Welche drei? Entstehen ist erkennbar, Vergehen ist erkennbar und Wandlung des Bestehenden ist erkennbar. Diese drei charakteristischen Eigenschaften zeigt das Gestaltete.
    (Anguttara Nikaya 3,47)

    Wertlos

    Kein Ding lohnt den Aufwand.
    (Majjhima Nikaya 37)

    Nur Leiden

    Nur Leiden erscheint, was auch immer erscheint, und nur Leiden schwindet, was auch immer schwindet.
    (Samyutta Nikaya 12,15)

    Tränen

    „Was glaubt ihr denn, ihr Mönche, ist mehr, die Tränen, von euch verströmt und vergossen, während ihr, unangenehmen Dingen ausgesetzt und von angenehmen Dingen getrennt , klagend und weinend jene lange Zeit (der Daseinswanderung) durchlaufen und durchschritten habt, oder aber das Wasser in den vier Weltmeeren?"
    „So wie wir, Herr, die vom Erhabenen dargelegte Lehre kennen, sind die Tränen, von uns verströmt und vergossen, während wir, unangenehmen Dingen ausgesetzt und von angenehmen Dingen getrennt, klagend und weinend jene lange Zeit (der Daseinswanderung) durchlaufen und durchschritten haben, mehr als das Wasser in den vier Weltmeeren."
    (Samyutta Nikaya 15,3)

    Wie Schaum

    Einem Schaumgebilde gleicht die Form, das Gefühl der Wasserblase.
    Einer Luftspiegelung ähnelt Wahrnehmung, Aktivität einer Bananenstaude.
    Und der Bewusstseinsprozess ist Gaukelwerk vergleichbar,
    Dies hat der Sonnengleiche offenbar gemacht.
    Je mehr man dies bedenkt, es gründlich prüft,
    genau betrachtet, als hohl und nichtig erweist sich alles.
    (Samyutta Nikaya 22,95)

    Sich keine falschen Vorstellungen machen

    Hat der Vollendete etwas Sichtbares ins Auge gefasst, hält er weder das Gesehene noch das Nichtgesehene für substantiell oder sehenswert, noch verabsolutiert er den Sehenden. Wenn er etwas gehört hat, hält er weder das Gehörte noch das Nichtgehörte für substantiell oder hörenswert, noch verabsolutiert er den Hörenden. Wenn er etwas wahrgenommen hat, hält er weder das Wahrgenommene noch das Nichtwahrgenommene für substantiell oder wahrnehmenswert, noch verabsolutiert er den Wahrnehmenden. Wenn er etwas erkannt hat, hält er weder das Erkannte noch das Nichterkannte für substantiell oder erkennenswert, noch verabsolutiert er den Erkennenden.
    (Anguttara Nikaya 4,24)

    Nicht-Ich

    „Was da auch immer, Rahula, an Form da ist, vergangene, künftige, gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, dürftige oder vorzügliche, weit entfernt oder in der Nähe: Jegliche Form ist wirklichkeitsgemäß mit vollkommen klarem Blick so zu betrachten: ‚Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.'"
    „Nur Form, Erhabener? Nur Form, Gesegneter?"
    „Form, Rahula, und ganz genauso Gefühl, Wahrnehmung, Aktivität und Bewusstwerden."
    (Majjhima Nikaya 62)

     

    Zweite Wahrheit

    Verursacht

    Von Dingen, die bedingt entstehen,
    Nennt der Erhabene den Grund;
    Und dass sie schwinden,
    Kündet jener große Bettelmönch.
    (Mahavagga 1,23,3)

    Die zweite heilende Wahrheit

    Was ist die heilende Wahrheit von der Entstehung des Leidens? Es ist jenes Verlangen, das mit Freude und Begeisterung verbunden ist, zur Wiedergeburt führt, sich hier und dort vergnügt, nämlich: das Verlangen nach sinnlicher Lust, nach Dasein und nach Nicht-Existenz.
    (Digha Nikaya 22)

    Wünsche

    Wünsche reißen den Menschen fort,
    Wünsche gibt man nur schwerlich auf in der Welt.
    Von Wünschen gefesselt sind gewöhnlich die Wesen,
    Wie ein Vogel mit seiner Schlinge.
    (Samyutta Nikaya 1,79)

    Angenehmes

    Wo aber entsteht Verlangen, wo fasst es Fuß? Was es da in der Welt an angenehmen und erfreulichen Objekten gibt, dort entsteht Verlangen, dort fasst es Fuß.
    (Digha Nikaya 22)

    Zuneigung und Abneigung

    Sieht jemand mit dem Auge eine Form, so findet er an einem angenehmen Objekt Gefallen, von einem unangenehmen Objekt fühlt er sich abgestoßen. Hört jemand mit dem Ohr einen Ton, riecht er mit der Nase einen Duft, schmeckt er etwas mit der Zunge, berührt er etwas mit dem Körper, erfasst er mit dem Geist eine Vorstellung, so findet er an einem angenehmen Objekt Gefallen, von einem unangenehmen Objekt fühlt er sich abgestoßen.
    (Majjhima Nikaya 38)

    Der Geist zuerst

    Was es auch immer an unheilsamen Dingen gibt, an Dingen, die mit dem Unheilsamen verbunden sind und zum Unheilsamen führen: Ihnen allen geht der Geist voran. Zuerst regt sich der Geist, dann folgen die unheilsamen Dinge.
    Was es auch immer an heilsamen Dingen gibt, an Dingen, die mit dem Heilsamen verbunden sind und zum Heilsamen führen: Ihnen allen geht der Geist voran. Zuerst regt sich der Geist, dann folgen die heilsamen Dinge.
    (Anguttara Nikaya 1,13)

    Drei Dinge

    Wer drei Dinge nicht aufgegeben hat, kann Geburt, Alter und Tod nicht entkommen. Welche drei? Zuneigung, Abneigung und Täuschung. Tatsächlich kann, wer diese Dinge nicht aufgegeben hat, Geburt, Alter und Tod nicht entkommen.
    (Anguttara Nikaya 10,76)

    Sein und Nichtsein

    Im Großen und Ganzen geht diese Welt von zweierlei aus: vom Sein und vom Nichtsein. Wer aber das Entstehen von Welt der Wirklichkeit gemäß und mit klarem Blick sieht, für den gibt es bezüglich der Welt kein Nichtsein. Und wer das Vergehen von Welt der Wirklichkeit gemäß und mit klarem Blick sieht, für den gibt es bezüglich der Welt kein Sein.
    Auf die Dinge zugehen, sie ergreifen, sich mit ihnen beschäftigen, an ihnen hängen - das ist im Grunde diese Welt. Wenn aber jemand nicht mehr auf die Dinge zugeht, sie nicht ergreift, sein Gemüt nicht auf sie ausrichtet, sich nicht mit ihnen beschäftigt, den Hang nach ihnen nicht zulässt oder ihm nachgibt, in dem Gedanken ‚Da ist gar kein Ich', wenn jemand nicht daran zweifelt oder unsicher ist, dass ‚nur Leiden erscheint, was auch immer erscheint, und nur Leiden schwindet, was auch immer schwindet', dann besitzt er unabhängig von anderen Wissen.
    ‚Alles ist', das ist das eine Extrem. ‚Alles ist nicht', das ist das andere Extrem. Diese beiden Extreme vermeidend, lehrt der Vollendete die in der Mitte liegende Wahrheit.
    (Samyutta Nikaya 12,15)

    Bedingtes Entstehen

    Aus Unwissenheit folgt Aktivität.
    Aus Aktivität folgt der Bewusstseinsprozess.
    Aus dem Bewusstseinsprozess folgen Geist und Körperlichkeit.
    Aus Geist und Körperlichkeit folgt der Bereich der sechs Sinne.
    Aus dem Bereich der sechs Sinne folgt Berührung.
    Aus Berührung folgt Gefühl.
    Aus Gefühl folgt Begehren.
    Aus Begehren folgt Ergreifen.
    Aus Ergreifen folgt Werden.
    Aus Werden folgt Geborenwerden.
    Aus Geborenwerden folgen Altern und Sterben.
    Das ist der Ursprung der gesamten Leidensanhäufung.
    (Samyutta Nikaya 12,15)

    Dritte Wahrheit

    Die dritte heilende Wahrheit

    Was ist die heilende Wahrheit von der Beendigung des Leidens? Es ist jenes restlose Aufgeben, Beenden, Verneinen, Loslassen, Aufhören, Zurückweisen des Verlangens.
    (Digha Nikaya 22)

    Das Todlose ist das Aufhören von Gier, Hass und Verblendung.
    (Samyutta Nikaya 38,1)

    Nirvana ist die Aufhebung des Werdens.
    (Samyutta Nikaya 12,68)

    Ohne Ich-Illusion

    Abgeschiedenheit ist Glück für den Zufriedenen, für den, der die gehörte Wahrheit erfährt.
    Wohlwollen in der Welt ist Glück, Selbstbeherrschung gegenüber den Wesen.
    Glück ist Leidenschaftslosigkeit in der Welt, Hinauswachsen über die Sinnendinge.
    Doch die Beendigung der Ich-Illusion, das ist wahrhaftig das höchste Glück.
    (Mahavagga 1,3)

    Das jenseitige Ufer

    Das ‚diesseitige Ufer mit all seinen Sorgen und Gefahren', das ist eine Bezeichnung für die Persönlichkeit. Das ‚jenseitige Ufer ohne jede Sorge und Gefahr', das ist eine Bezeichnung für das Nirvana.
    (Samyutta Nikaya 35,197)

    Nur ein Geschmack

    Wie der gewaltige Ozean nur einen Geschmack hat, nämlich den Geschmack des Salzes, so hat diese Lehre ebenfalls nur einen Geschmack, den Geschmack der Befreiung.
    (Udana 5,5)

    Weder noch

    Es gibt jenen Bereich, wo weder Erde ist noch Wasser, weder Feuer noch Luft; nicht unbegrenzter Raum, nicht unbegrenztes Bewusstsein, nicht Nichts und nicht Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung, weder Diesseits noch Jenseits, nicht Mond und nicht Sonne. Dort, sage ich, ist weder Kommen noch Gehen noch Bleiben, weder Schwinden noch Wiedererscheinen. Ohne Halt, ohne Grundlage, ohne Bedingung ist dies. Es bedeutet das Ende des Leidens.
    (Udana 8,1)

    Nirvana

    Nirvana ist das Ungestaltete, das Ziel, die Unverletzbarkeit, die Wahrheit, das andere (gefahrlose) Ufer, das Feine, das schwer Ergründliche, das Alterlose, das Beständige, das Unzerbrechliche, das Unsichtbare, das Friedvolle, das Todlose, das Erlesene, das Segensreiche, der Frieden, das Aufhören des Verlangens, das Wunderbare, das Erstaunliche, das Vollkommene, das Ende der Not, das Erlöschen, die Freiheit, das Versiegen der Leidenschaften, das Reine, die Erlösung, das Ungebundene, das (gefahrlose) Eiland, die Sicherheit, der Schutz, die Zuflucht, das ganz Andere.
    (Samyutta Nikaya 43,13-44)

    Das Ungeborene

    Es gibt das Ungeborene, Ungewordene, Ungeschaffene, Ungestaltete. Gäbe es das Ungeborene, Ungewordene, Ungeschaffene, Ungestaltete nicht, bestünde keine Aussicht, dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten zu entrinnen. Da es aber dieses Ungeborene, Ungewordene, Ungeschaffene, Ungestaltete gibt, besteht die Aussicht, dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten zu entrinnen.
    (Udana 8,3 = Itivuttaka 43)

    Jenseits von Empfindungen

    Der ehrwürdige Sariputta sprach zu den Mönchen: „Glück, Brüder, bedeutet das Nirvana! Glück, Brüder, bedeutet das Nirvana!"
    Darauf sagte der ehrwürdige Udayi zu dem ehrwürdigen Sariputta: „Wie kann denn, Bruder, Nirvana Glück sein, wenn da nichts (mehr) empfunden wird?"
    „Das ist ja gerade, Brüder, Glück, dass da nichts (mehr) empfunden wird."
    (Anguttara Nikaya 9,34)

    Unnennbar

    Wer ganz zum Ziel gelangte, für den gibt es kein Maß,
    Kein Wort, das ihn beschreibt.
    Sind alle Eigenschaften abgetan,
    Dann auch der Sprache Möglichkeit.
    (Suttanitapa 1076)

    Vierte Wahrheit

    Die vierte heilende Wahrheit

    Was ist die heilende Wahrheit von dem zur Beendigung des Leidens führenden Weg? Es ist jener Heilende Achtfache Weg, nämlich: Rechte Ansicht, Rechte Geisteshaltung, Rechte Rede, Rechtes Handeln, Rechte Lebensführung, Rechtes Mühen, Rechte Achtsamkeit und Rechte Sammlung.
    (Digha Nikaya 22)

    Der Mittlere Weg

    Das armselige, gewöhnliche, banale, unedle und fruchtlose Kleben an sinnlicher Lust und diese schmerzvolle, unedle und fruchtlose Selbstquälerei - diese beiden Extreme, ihr Mönche, hat der Vollendete beiseite getan und den Mittleren Weg aufgespürt, der Einsicht und Wissen bewirkt, der zu innerer Ruhe, zu Erkenntnis, zu höchster Weisheit, zum Nirvana führt. Und was ist dieser Mittlere Weg? Eben dieser Edle Achtfache Pfad.
    (Samyutta Nikaya 56,11)

    Rechte Ansicht

    Was ist Rechte Ansicht? Das Wissen über Leiden und Unvollkommenheit, das Wissen über den Ursprung von Leiden und Unvollkommenheit, das Wissen über die Beendigung von Leiden und Unvollkommenheit, das Wissen über die Vorgehensweise, die zur Beendigung von Leiden und Unvollkommenheit führt - das nennt man Rechte Ansicht.
    (Digha Nikaya 22)

    Weg der Lauterkeit

    Gestaltungen sind unbeständig ganz und gar.
    Wer das mit klarem Blick erkennt,
    Genug hat der von allen Leidensdingen.
    Dies ist der Weg der Lauterkeit.

    Gestaltungen sind leidvoll ganz und gar.
    Wer das mit klarem Blick erkennt,
    Genug hat der von allen Leidensdingen.
    Dies ist der Weg der Lauterkeit.

    Wesenlos sind alle Dinge, ausnahmslos.
    Wer das mit klarem Blick erkennt,
    Genug hat der von allen Leidensdingen.
    Dies ist der Weg der Lauterkeit.
    (Dhammapada 277 - 279)

    Todlosigkeit

    Wie eine Blase sie betrachten,
    Betrachten nur als Spiegelung der Luft -
    Wer so die Welt ins Auge fasst,
    Den sieht der Fürst des Todes nicht.
    (Dhammapada 170)

    Rechte Geisteshaltung

    Die Haltung des Loslassens, die Haltung des Wohlwollens, die Haltung der Freundlichkeit - das nennt man Rechte Geisteshaltung.
    (Digha Nikaya 22)

    Rechte Rede

    Lüge sein lassen, entzweiende Sprache sein lassen, harte Worte sein lassen, Geschwätz und oberflächliches Gerede sein lassen - das nennt man Rechte Rede.
    (Digha Nikaya 22)

    Vier Weisen des richtigen Umgangs mit der Sprache gibt es. Welche vier? Wahre Rede, versöhnliche Rede, behutsame Rede und weise Rede.
    (Anguttara Nikaya 4,149)

    Rechtes Handeln

    Davon Abstand zu nehmen, Lebendiges umzubringen, davon Abstand zu nehmen, Nichtgegebenes an sich zu bringen, davon Abstand nehmen, mit den Sinnendingen unangemessen umzugehen - das nennt man Rechtes Handeln.
    (Digha Nikaya 22)

    Rechte Lebensführung

    Wenn ein ernsthafter Nachfolger eine falsche Lebensführung aufgegeben hat und sein Leben nach richtigen Maßstäben ausrichtet - das nennt man Rechte Lebensführung.
    (Digha Nikaya 22)

    Es gibt fünf Arten von Handel, die von einem Laienanhänger nicht ausgeübt werden sollten: der Handel mit Waffen, der Handel mit Lebewesen, der Handeln mit Fleisch, der Handel mit Alkohol, der Handel mit Gift. Diese fünf Arten von Handel sollten von einem Laienanhänger nicht ausgeübt werden.
    (Anguttara Nikaya 5,177)

    Rechtes Mühen

    Da zeigt jemand den Willen, bemüht sich, setzt seine ganze Tatkraft ein, fasst sich ein Herz und kämpft, damit noch nicht entstandene schlimme und unheilsame Dinge nicht entstehen. Da zeigt jemand den Willen, bemüht sich, setzt seine ganze Tatkraft ein, fasst sich ein Herz und kämpft, damit er schon entstandene schlimme und unheilsame Dinge los wird. Da zeigt jemand den Willen, bemüht sich, setzt seine ganze Tatkraft ein, fasst sich ein Herz und kämpft, damit noch nicht entstandene heilsame Dinge entstehen. Da zeigt jemand den Willen, bemüht sich, setzt seine ganze Tatkraft ein, fasst sich ein Herz und kämpft, damit schon entstandene heilsame Dinge bleiben, nicht wanken, sich mehren, zur Fülle gelangen, sich entfalten und zur Vollendung kommen - das nennt man Rechtes Mühen.
    (Digha Nikaya 22)

    Rechte Achtsamkeit

    Nachdem ein Mönch Verlangen und Besorgtsein hinsichtlich der Welt abgelegt hat, verweilt er beim Körper in der Betrachtung des Körpers, unermüdlich, klar bewusst, achtsam. Nachdem ein Mönch Verlangen und Besorgtsein hinsichtlich der Welt abgelegt hat, verweilt er bei den Gefühlen in der Betrachtung der Gefühle, bei den Emotionen in der Betrachtung der Emotionen, bei den Geistesinhalten in der Betrachtung der Geistesinhalte - das nennt man Rechte Achtsamkeit.
    (Digha Nikaya 22)

    Rechte Sammlung

    Da weilt ein Mönch, fern von sinnlichem Verlangen und fern von den unheilsamen Dingen, in der ersten Vertiefung, die von Denken und Überlegen begleitet, aus der Abgeschiedenheit geboren und von Entzücken und Freude getragen ist. Wenn Denken und Überlegen zur Ruhe gekommen sind, sammelt sich sein Gemüt und wird still, und er weilt in der zweiten Vertiefung, die ohne Denken und Überlegen, aus der Sammlung geboren und von Entzücken und Freude getragen ist. Nach dem Nachlassen des Entzückens weilt er gleichmütig, achtsam und klarbewusst, und er verspürt ein Wohl im Körper, von dem die Edlen sagen: ‚der Gleichmütig-Achtsame ist im Wohl.' So weilt er in der dritten Vertiefung. Nachdem er Wohlempfinden und Schmerz losgelassen hat und frühere Freudigkeit und Missmut geschwunden sind, weilt er in der vierten Vertiefung, in der Reinheit von Gleichmut und Achtsamkeit, frei von Schmerz und von Wohlempfinden - das nennt man Rechte Sammlung.
    (Digha Nikaya 22)

    Wie ein Brahma

    Mit wohlwollendem Gemüt durchstrahlt er eine Richtung, dann eine zweite, eine dritte und ebenso die vierte. Er durchstrahlt die ganze Welt allüberall mit einem wohlwollenden, weiten, erhabenen, unbegrenzten, freundlichen Gemüt, frei von Feindschaft und böser Absicht.
    Mit erbarmendem, freudigem, gelassenem Gemüt durchstrahlt er eine Richtung, dann eine zweite, eine dritte und ebenso die vierte. Er durchstrahlt die ganze Welt allüberall mit einem erbarmenden, freudigen, gelassenen, weiten, erhabenen, unbegrenzten, freundlichen Gemüt, frei von Feindschaft und böser Absicht.
    (Majjhima Nikaya 7)

    Stufen zur Befreiung

    Ein anständiger Mensch mit moralisch einwandfreiem Verhalten braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass bei ihm Reuelosigkeit aufkommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass bei einem anständigen Menschen mit moralisch einwandfreiem Verhalten Reuelosigkeit aufkommt.
    Ein reueloser Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass bei ihm Freude aufkommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass bei einem reuelosen Menschen Freude aufkommt.
    Ein freudiger Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass bei ihm Glück aufkommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass bei einem freudigen Menschen Glück aufkommt.
    Ein glücklicher Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass sein Körper zur Ruhe kommt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass einem glücklichen Menschen der Körper zur Ruhe kommt.
    Ein körperlich Besänftigter braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er Seligkeit empfindet. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein körperlich Besänftigter Seligkeit empfindet.
    Ein Seligkeit Empfindender braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass sich sein Herz sammelt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass sich einem Seligkeit Empfindenden das Herz sammelt.
    Ein innerlich Gesammelter braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er die Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt und durchschaut. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein innerlich Gesammelter die Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt und durchschaut.
    Jemand, der die Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt und durchschaut, braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er sich von ihnen abwendet. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass jemand, der die Dinge der Wirklichkeit entsprechend erkennt und durchschaut, sich von ihnen abwendet.
    Ein Abgewandter braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er Ernüchterung erfährt. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein Abgewandter Ernüchterung erfährt.
    Ein nüchterner Mensch braucht sich nicht absichtlich darum zu bemühen, dass er Befreiung erlangt und um sie weiß. Es ist eine natürliche Gegebenheit, dass ein nüchterner Mensch Befreiung erlangt und um sie weiß.
    (Anguttara Nikaya 11,2)

    Alles getan

    Das ist die Verletzbarkeit, erkennt er der Wirklichkeit gemäß. Das ist der Ursprung der Verletzbarkeit, erkennt er der Wirklichkeit gemäß. Das ist die Beendigung der Verletzbarkeit, erkennt er der Wirklichkeit gemäß. Das ist die Vorgehensweise, die zur Beendigung der Verletzbarkeit führt, erkennt er der Wirklichkeit gemäß.
    Indem er das erkennt und sieht, wird sein Herz vom Einfluss des sinnlichen Verlangens frei, wird sein Herz vom Einfluss des Werdens frei, wird sein Herz vom Einfluss des Nichtwissens frei. „Das ist die Befreiung", weiß er. „Abgetan ist alle Geburt. Das heilige Leben ist geführt. Es ist getan, was zu tun war, eine weitere Existenz wird es nicht mehr geben!"
    (Digha Nikaya 2)

    Übersetzung aus dem Pali von Alfred Weil

    Nach Oben